Hände weg vom Bannwald

Sonntag , 7, April 2019 Leave a comment

Die Demonstration „Hände weg vom Bannwald“ vom 16. März war für die Veranstalter vom Aktionsbündnis Langener Bannwald ein voller Erfolg. Über 300 Bürger folgten dem Demonstrationsaufruf und auch das Presseecho fiel breit aus. Dass dem Thema Waldschutz langsam die gebührende Aufmerksamkeit zuteilwird, zeigt sich auch anhand der erstmaligen öffentlichen Reaktion des Magistrats Langen und des Regierungspräsidiums Darmstadt auf die Arbeit des Aktionsbündnisses, die in Form einer gemeinsamen Pressemitteilung erfolgte.

Bannwalddemo März 2019

In dieser werfen sie gekonnt mit intransparenten, für die Bürger*innen nicht nachvollziehbaren Zahlen um sich, um die Praxis der fortwährenden Ausbeutung der Natur zu rechtfertigen. Der einzige erhellende Aspekt der genannten Zahlen ist das Wissen darum, wie viel die Gesundheit der umliegenden Bevölkerung und die Intaktheit des Ökosystems Wald der Stadt Langen Wert ist: Jährlich 800 000 €.
Vom Verlust von 100 Arbeitsplätzen ist die Rede. Wir sagen: Ein Unternehmen, dass knappe Ressourcen fördert und vertreibt ist selbst dafür verantwortlich den langfristigen Fortbestand des Unternehmens und damit den Erhalt der Arbeitsplätze auf andere Weise zu sichern als dadurch, sich auf die Zusicherung immer neuer Ausbeutungsflächen zu verlassen. Wie viele Arbeitsplätze sind zudem in der Forstwirtschaft und ähnlichen Bereichen durch den Verlust von Wald in ganz Hessen bedroht oder bereits weggefallen? Wie viele Arbeitsplätze entstehen, wenn der sozialökologische Gesellschaftsumbau mal konsequent angegangen wird?
Wer im Angesicht der prognostizierten und bereits spürbaren globalen Klima- und Umweltkatastrophen ständig weiter versucht die Zukunft des Planeten gegen Geld und Arbeitsplätze aufzuwiegen und den Raubbau an der Natur arrogant als dem Gemeinwohl dienlich verklärt, hat wohl schon länger nicht mehr den Blick über den Tellerrand geworfen.
Die Schaffung sogenannter Biotope und Aufforstungsbemühungen an verschiedenen Orten rund um das Rhein-Main-Gebiet als Ausgleich zum Bannwaldverlust vor Ort hinzustellen ist Greenwashing! Hier entstehen keine zusammenhängenden Ökosysteme, die dem wegfallenden Wald gleichwertig sind. Wälder in und um unsere Ballungsräume sind nicht durch gestückelte Aufforstungen in der Peripherie zu ersetzen.
Wenn die Firma Sehring ihren Renaturierungs- und Rekultivierungsverpflichtungen jedoch in so vorbildlichem Maße nachkommt, sollte es kein Problem sein, dies durch einen unabhängigen Gutachter – ausgewählt in Kooperation von Stadt, RP und dem Aktionsbündnis Langener Bannwald – bestätigen zu lassen.
Frau Lindscheid malt unserem Empfinden nach ein seltsames Bild ihres Kompetenzbereiches, wenn sie sich in der Bannwaldproblematik einfach mit Verweis auf ihren Vorgänger aus der Verantwortung zieht. Eine Demokratie lebt schließlich davon Entscheidungen anpassen und revidieren zu können. Für die Zukunft wirft dies jedoch einige Fragen auf: Werden künftige Rodungen weiterhin im Sofortvollzug genehmigt werden und inwiefern wird in diesem Zusammenhang das laufende Klageverfahren des BUND gegen den Hauptbetriebsplan der Südosterweiterung der SehringKiesgrube berücksichtigt? Wie wird mit der geplanten Rodung des Dietzenbacher Waldes zur Kies- und Sandförderung verfahren?
Dass sich die Natur nicht an Pläne und Vorschriften hält ist unter den Mitstreiter*innen im Aktionsbündnis durchaus bekannt, weshalb wir uns für ein strengeres Waldgesetz und eine Reform des Bergrechtes stark machen.
Wir möchten betonen, dass wir gerne bereit sind Gesprächstermine mit dem Magistrat und dem Regierungspräsidium zu vereinbaren, um uns über unsere Ansichten und Ideen auszutauschen.
Zuletzt möchten wir die Gelegenheit nutzen unsere Solidarität mit den Umweltschutzorganisationen in Dietzenbach auszudrücken, die sich gegen die Rodung und Auskiesung ihres Waldes engagieren. Das gleiche gilt für alle Umweltorganisationen und Aktivisten die sich für den Erhalt der hessischen Wälder beispielsweise in Kelsterbach, in Darmstadt, in Wiesbaden, in Mörfelden-Walldorf stark machen.
Zudem möchten wir uns zu 100% solidarisch hinter die Protestbewegung Fridays for Future stellen, die zahlreich, unermüdlich und unbeirrbar für unser aller Zukunft kämpft und in der Schüler*innen mehr Weitsicht und größere Bereitschaft zu Veränderungen beweisen als die meisten Entscheidungsträger.

Der Sprecherkreis des Aktionsbündnis Langener Bannwald
Matthias Rohrbach, Jaqueline Herth, Luis Martini


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